Was ist eine FUT-Haartransplantation? Wo liegt der Unterschied zu einer FUE-Haartransplantation? Welche Methode empfehlen Sie?

Die Haare wachsen in kleinen natürlichen Gruppen, den follicular units (FU) mit 1-4 Haaren. Die Entnahme dieser Haarwurzelgruppen erfolgt in örtlicher Betäubung, entweder durch die

  1. Entnahme eines schmalen Hautstreifens und anschließender Präparation der Haarwurzeln unter dem Mikroskop oder mittels Lupenbrille (Streifentechnik, FUI Technik) oder
  2. Entnahme jeder Gruppe im Einzelnen mittels Hohlbohrer (Einzelentnahme, FUE Technik)

Die Entnahmestelle nach FUT wird vernäht, der Faden muss entfernt werden. Bei der FUE Technik bleiben die vielen kleinen Entnahmestellen offen und verheilen nach wenigen Tagen.

Einzelhaargruppenentnahme (FUE)

Der gesamte Kopf wird kurz rasiert. Pro cm2 kann man bis zu 10 follicular units entnehmen. Dadurch erhöht sich die Menge des Betäubungsmittels und Anzahl der Injektionen. Die Verletzungsgefahr der Haarwurzeln hängt von der Konzentrationsfähigkeit des Operateurs über eine längere Zeit und der Kopfhaut- und Haarsituation des Patienten ab und kann bis 25% erreichen. Die Entnahmestelle wird nicht vernäht und es verbleiben später kleine punktförmige Lücken. Diese kleinen Narben haben ca 0,7 bis 2 mm Durchmesser.

Streifenentnahme (FUI, FUT, Strip)

Nur das Entnahmegebiet wird kurz rasiert. Der Streifen ist meist ca 1 cm breit und je nach Bedarf an Transplantaten 10-30 cm lang. Pro cm2 lassen sich je nach individueller Haardichte 60 – 120 follicular units präparieren (Mikroskopische Präparation erforderlich). Durch spezielle Instrumente werden kaum Haarwurzeln beim Herausnehmen des Streifens verletzt. Neuere Nahttechniken werden so durchgeführt, dass im Idealfall später auch durch die Narbe hindurch wieder neue Haare wachsen. Zusammenfassung mit Vor- und Nachteilen Streifenentnahme

  1. Sehr große Mengen an follicular units können in einer Behandlung transplantiert werden, nämlich bis zu 2.500 und mehr
  2. Die Entnahmestelle ist sofort überkämmbar und dadurch quasi nicht sichtbar
  3. Die optische Dichte des Haarkranzes/Haarkleid bleibt weitestgehend gleich
  4. Bei erneuter Haartransplantation kann man die alte Narbe wieder mit entfernen, so dass im Idealfall immer nur eine Narbe verbleibt
  5. sichere Anwuchsrate über 96%, da um die Haarwurzeln eine vor Austrocknung und Quetschen schützende Gewebehülle verbleibt
  6. Optimale Ausnutzung des Spenderareals bzw. hohe verbleibende Entnahmereserve für weitere Folgebehandlungen mittels FUT oder FUE

Aus diesen Gründen empfehle ich meinen Patienten eher die FUT Methode. Die Einzelentnahmen werden hauptsächlich in der Türkei durchgeführt, weil bei dickem, glattem Haar die Verletzungsgefahr der Haarwurzel nicht so groß ist. Die Europäer haben aber eher feines leicht gewelltes Haar und hier können die Verluste bis zu 25% betragen. In Deutschland werden ca. 90% der Haartransplantationen mit der Streifen-Methode durchgeführt.