“Es soll natürlich aussehen” – BZ-INTERVIEW Danuta Sobczak über Haartransplantationen

Wer es sich leisten kann, lässt sich heutzutage Haare verpflanzen. Jetzt hat es auch Trainer Jürgen Klopp von Borussia Dortmund getan. Was treibt immer mehr Männer dazu? Andreas Frey hat bei der Haarexpertin Danuta Sobczak nachgefragt.

 

BZ: Frau Sobczak, ich bin jetzt 30, meine Geheimratsecken werden immer größer. Was kann ich tun?
Sobczak: Es kommt darauf an, was Ihnen genetisch vererbt wurde. Wenn es weitergeht bis zur Vollglatze, würde ich Ihnen ein Medikament empfehlen, das den Haarausfall stoppt.

BZ: Nach Vollglatze sieht es bei mir noch nicht aus.
Sobczak: Wie sehen denn die Männer in Ihrer Familie aus?

BZ: Mein Vater hat einen Kranz, bei meinen Opas sah das auch nicht besser aus.
Sobczak: Dann wird es weitergehen. Je nachdem, von wem Ihnen das vererbt wurde, würden Sie irgendwann eine Vollglatze bekommen.

 

BZ: Oje.
Sobczak
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Oder Sie bekommen nur eine Halbglatze, wie bei Ihrem Vater. Mit geübtem Auge kann man das schon Anfang 30 sehen: Die Haare, die irgendwann ausfallen, sind ein bisschen heller als die restlichen Haare, etwas feiner, matter und dünner, und sie wachsen langsamer.

BZ: Soll man sich schon Anfang 30 für eine Haartransplantation entscheiden?
Sobczak: Nicht unbedingt. Ich würde Sie zuerst fragen: Stört Sie das?


BZ:
Noch nicht.
Sobczak: Dann hat es keinen Sinn. Meine zweite Frage ist stets: Würde Sie es stören, wenn Sie eine Glatze wie Ihr Vater bekämen?

BZ: Oh ja.
Sobczak: Okay. Aber erst wenn Sie beide Fragen mit Ja beantworten, würde ich Ihnen eine Haartransplantation empfehlen. Das intensive Gespräch mit dem Patienten vor der OP ist sehr wichtig.

BZ: Ist eine Transplantation bei jungen Menschen denn einfacher?
Sobczak: Nein. Am einfachsten ist es, wenn ein Patient eine schöne, große Platte hat, dann muss man nicht so aufpassen wie etwa bei Frauen, die feines, lichtes Haar haben.

BZ: Kommen häufiger Männer zu Ihnen?
Sobczak: Natürlich. Sie bilden genetisch bedingt Androgene (männliche Sexualhormone, die Red.), die zu Haarausfall führen. Männer können das auch schlechter kaschieren als Frauen. Die meisten Männer, die zu mir kommen, sind 30 bis 35.

BZ: Welche Haare verpflanzen Sie?
Sobczak: Nur Eigenhaare. Fremdhaare würde der Körper abstoßen. Wir nehmen sie vom Hinterkopf, die fallen nie aus.

BZ: Verpflanzen Sie einzelne Büschel?
Sobczak: Nein, das war früher so. Wenn man Büschel verpflanzt, sieht das aus wie bei einer Puppe. Es kommt immer auf die Abstände der Haare an. Wenn jemand sehr viele Einzelhaare hat, verpflanzen wir Einzelhaare. Wenn jemand sehr dichtes Haar hat, dann verpflanzen wir zwei oder drei Haare gemeinsam als sogenannte follikulare Einheit. So wie bei den Patienten die Haare wachsen, so transplantieren wir. Das soll ja natürlich aussehen.

BZ: Was ist dann bei Berlusconi schiefgelaufen? Das sieht ja aus wie Babyflaum.
Sobczak: Er ist sehr schlecht operiert, die Haarlinie ist sehr künstlich gezogen. Er hatte nicht mehr genügend Spendefläche. Es kommt aber noch etwas dazu: Er malt sich mit einem Kajalstift auch noch die Kopfhaut an, weil er meint, dass die Haarlinie dann dichter aussieht. Tut sie aber nicht.

BZ: Kennen Sie das Modell Klobürste? Was ist da denn passiert?
Sobczak: Das passiert, wenn zu große Transplantate genommen werden, also zehn Haare auf einmal. Aber klar, wie bei jedem Handwerk können Fehler passieren. Mal kann die Haarwurzel zerstört werden, mit der Folge, dass die Haare nicht anwachsen, mal können die Haare im falschen Winkel eingesetzt werden, so dass sie in verschiedene Richtungen abstehen. Das medizinische Risiko ist allerdings gering, weil wir nur zwei Millimeter in die Tiefe gehen.

BZ: Wie lange dauert die Operation?
Sobczak: Vier Stunden. Wir betäuben lokal, der Patient hat keine Schmerzen.

BZ: Kann man die Haare hinterher wieder färben?
Sobczak: Ja, aber erst vier Wochen nach der OP. Die Haut muss sich erholen, es muss alles abheilen. Drei Tage lang darf man keine Haare waschen.

BZ: Sind wir Männer viel eitler, als man denkt?
Sobczak: Teilweise ja. Aber der soziale Druck hat auch zugenommen. Männer müssen heute nicht nur Geld verdienen, sie müssen gut aussehen, jung bleiben. Aber Vorsicht vor falschen Erwartungen. Irgendwann ergraut auch das transplantierte Haar.

Danuta Sobczak ist Hautärztin an der Lexerklinik in Freiburg und transplantiert seit 20 Jahren Haare. Eine Behandlung kostet 2000 bis 7000 Euro, je nach Fläche.